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Kategorie: Er und Sie

Herbsthimmel


Eine Stunde waren wir von Tokyo mit dem Super-Express »Kodama« auf der damals schnellsten Bahnstrecke der Welt, der New-Tokaido-Line, gefahren, dann noch ein kurzer Trip mit dem Taxi, und jetzt sass ich auf den Tatami des Hotelzimmers in Yugawara auf der Izu-Halbinsel. Vor mir auf dem Tisch stand eine Flasche japanisches Bier, ein vorzügliches übrigens, das nach dem Bayerischen Reinheitsgebot gebraut wird, nur dass es etwas weniger Alkohol enthält als hierzulande. Ich wartete auf Akiko, die nebenan im Bad plätscherte. Vor vier Wochen etwa hatten wir uns in einem Cabaret kennengelernt, ich als Gast und sie als Hostess, die sich neben ihrem Beruf als Sekretärin zu ihrem mageren Gehalt noch etwas Geld dazu verdiente. Fast jeden Abend waren wir seither ausgegangen, in den Meiji-Park hauptsächlich, wo sich unter dem Vollmond der lauen Frühlingsnächte noch zahlreiche andere Liebespärchen trafen. Bis heute jedoch hatte sich keine Gelegenheit gefunden gehabt, zu zweit und ungestört zwischen vier Wänden miteinander zu sein.
Vor meinen Augen zogen die vergangenen Wochen vorbei. Jeden Tag hatten wir miteinander telefoniert, jede freie Minute ausgenutzt, uns zu treffen. Sie hatte ihren Nebenjob wegen mir aufgegeben, wir hatten stundenlang in Cafés gesessen und Zukunftspläne geschmiedet, waren die Ginza entlanggeschlendert, die Hauptstrasse von Tokyo, und hatten Kaufhäuser besucht. Wenn es dunkel geworden war, waren wir in den Meiji-Park gegangen. Dort konnten wir wenigstens ungestört Küsse austauschen. Dann hatte ich sie jeweils mit dem Taxi nach Hause gebracht, ein letzter Gruss, und beide freuten wir uns auf das nächste Wiedersehen und hofften, ohne dass wir es aussprachen, einmal ganz uns selbst zu gehören. Nun war es soweit. -

Ich wurde aus meinen Gedanken geweckt, als Akiko plötzlich vor mir stand, eine etwas üppige Schönheit mit schwarzem vollem Haar, das im Licht manchmal etwas bläulich schimmerte. Den Hotelkimono hatte sie bereits angelegt, wodurch ihre vollen Formen eher betont als verborgen wurden. Jetzt half sie mir aus den Kleidern und zog auch mir den Kimono an, der mir als Ausländer natürlich viel zu kurz war, und band mir den Gürtel um. Dann legten wir uns zusammen auf die Matte, welche die Hotelwirtin bereits gleich nach dem Abendessen ausgebreitet hatte.

»Atchan«, flüsterte sie zärtlich meinen japanischen Namen und lächelte. »Akiko«, erwiderte ich ebenso und küsste sie lange. Unsere Zungen suchten einander und unsere Münder verschmolzen zu einem. Langsam glitt meine linke Hand in den Ausschnitt ihres Kimono, fand die festen Brüste, fühlte wie sich die Knospen erhärteten und aufrichteten, und presste sie lange. Während ich die Hügel ihrer Brust, inzwischen vom Tuch des Kimono befreit und bloss, küsste und liebkoste, suchte die Hand weiter abwärts, bis sie zu der gradlinig und scharf umgrenzten Schamhaarpartie gelangte. Das nur leicht gekräuselte Schamhaar fühlte sich weich an, und ich begann, es zu streicheln und darin zu wühlen. Endlich fand ein Finger den Kitzler. Leise stöhnend löste sie auch meinen Gürtel und streifte meinen Kimono ab. Zaghaft berührte sie mein Glied, das sich bereits mit dem ersten Kuss voll aufgerichtet hatte. Noch wenige Minuten vorher hatte ich Angst gehabt, zu schnell zu kommen. Unter den Liebkosungen von Akiko hatte ich diese Furcht völlig vergessen.

Wie von selbst geschah es nun. Akiko schob sich unter mich, mein Glied hätte gar nicht von ihren Händen geführt werden müssen, auch allein hätte es seinen Weg gefunden - in ihre Spalte, zur gegenseitigen vollkommenen Lust, und mit einem Seufzer ergab sich Akiko in die ewige Situation von Frau und Mann. Warm und feucht und glatt fühlte sich ihre Scheide an, als sie mein Glied umfing, das erst langsam und behutsam, dann aber immer schneller zustiess. An ihrem leisen Stöhnen merkte ich, dass auch in ihr die Lust emporstieg, dass auch sie die Seligkeit des Augenblicks empfand. Am liebsten wäre ich in diesem Moment Akiko selbst geworden, nur um zu spüren, wie sich in ihr dieses Gefühl ausbreitete. Rhythmisch bewegten sich unsere Körper, fest umschlangen ihre Arme meinen Rücken, umschlossen ihre Schenkel meine Hüfte. In der Vereinigung waren wir eins geworden, waren wir zu einem vollkommenen, sich ergänzenden Körper verschmolzen. O, hätte dieser Zustand doch immer so währen können. Ein Gefühl höchster Wonne, Wollust erfasste uns, als wir beide nach einigen Augenblicken zum Höhepunkt gelangten.

Wenig später, nachdem Akiko im Bad ihre Scheide gespült hatte, eine in Japan verbreitete, wenn auch höchst unzuverlässige Art der Empfängnisverhütung, war ich wieder bereit. Dieses Mal dauerte es etwas länger, bis wir unter ihren Liebeslauten den Orgasmus erreichten. Dann wieder die gleiche Prozedur wie vorher im Bad. Während das Rauschen der Dusche zu mir drang, rauchte ich voller Glück und zufrieden mit mir eine Zigarette. »Hi-lite« hiess die Marke, auf deutsch »Höhepunkt«. Sie schmeckte etwas strohig, doch was machte das - dies war die Nacht der Höhepunkte.

Die kleine Lampe auf dem Fussboden neben der Matte verbreitete ein gedämpftes, anheimelndes Licht, als Akiko in paradiesischer Nacktheit wiederum aus dem Bad erschien. Auf ihrer pfirsichweichen Haut glänzten noch einige Wassertropfen. Das Glück, das wir bereits zweimal gemeinsam genossen hatten, schien sie in meinen Augen noch schöner und noch attraktiver zu machen. Wieder legte sich Akiko zu mir. Liebevoll und behutsam nahm sie mein schlafendes Glied zwischen die Finger, streichelte und rieb solange, bis ich wieder bereit war. Bald aber bemerkte sie, dass ich Schwierigkeiten hatte und nicht mehr so recht konnte, wie ich gerne gewollt hätte. Akiko wechselte von sich aus die Stellung und setzte sie sich auf mich, übernahm den aktiven Part. Während sie sich ein wenig aufrichtete, um mein Glied aufzunehmen, erhaschten meine Augen ein kurzen Moment lang ihre geöffnete, rosig glänzende Spalte. Dann verschwand mein Glied wieder in der feuchten Wärme ihrer Scheide, fühlte es die Enge, mit der sie es fest und doch nachgiebig umschloss. Ihr Gesicht glänzte. Die Augen geschlossen, wirkten ihre Züge höchst konzentriert, ihre Brüste wippten im Takt, während sie mit aufgestützten Armen rhythmisch vor- und zurückglitt. -

Ermattet und glücklich schliefen wir endlich eng umschlungen ein.

Bereits vor der Nacht in Yugawara waren Akiko und ich entschlossen gewesen, einander zu heiraten. An dieser Perspektive änderte sich auch nichts, als ich eine Woche später nach Deutschland zurückkehren musste, um für eine neue Aufgabe ausgebildet zu werden. Nach drei Monaten sollte ich ja wieder nach Japan zurückkehren, um in Osaka zu arbeiten.

In der Zwischenzeit schrieben wir uns fleissig Briefe, bis eines Tages die enttäuschende Nachricht von Akiko eintraf, ihre Eltern erlaubten keine Verbindung mit einem Ausländer.

Trotzdem erwartete mich Akiko bei meiner Rückkehr in Haneda. Sie war aber ein anderer Mensch geworden. Sie schien bedrückt, war nicht mehr das fröhliche Mädchen aus der Zeit vor meiner Abreise nach Deutschland, das sich auf eine gemeinsame Zukunft mit mir freute.

Ein- oder zweimal besuchte sie mich in Osaka. Wir wählten sogar gemeinsam die Möbel für meine kleine Wohnung aus, die später unsere werden sollte. Einmal schliefen wir auch miteinander, doch es war nicht mehr wie früher. Akiko hatte Angst, ein Kind zu bekommen, und wollte über mir liegen, um sich rechtzeitig zurückziehen zu können. Ich aber hätte überhaupt nichts dagegen einzuwenden gehabt, wäre Akiko schwanger geworden, denn ich wollte ja auf keinen Fall das Mädchen verlieren. Akiko lag also unter mir, und als ich es kommen fühlte, stiess ich besonders tief zu.

Einen Monat später, es war ein trüber Septembertag, sahen wir uns noch einmal in Tokyo. In einem Restaurant nahe des Ueno-Parks, in dem wir uns früher schon manchmal verabredet hatten, assen wir zu Abend. Akiko erschien mir noch reservierter als sie es seit meiner Rückkehr nach Japan schon war.

»Was ist? Warum bist du nicht mehr wie früher?«

»Onna no kokoro to aki no sora« antwortete sie. Das Herz einer Frau gleicht dem Herbsthimmel, ist genauso wetterwendisch, erklärte sie mir dieses japanische Sprichwort. Und Akiko hiess sie ja selbst, übersetzt: »Kind des Herbstes«.

Ich wollte es nicht wahrhaben.

Nach dem Essen zögerte Akiko zunächst noch, aber dann folgte sie mir doch auf mein Hotelzimmer. Nun ging alles sehr rasch. Unter gegenseitigen Küssen sank Akiko auf die Bettkante. Mit einem schnellen Griff hatte ich ihr Höschen heruntergezogen. Die übrigen Kleider behielt sie an. Auch ich nahm mir nicht die Zeit, die Hose ganz auszuziehen, streifte sie und den Slip nur bis zu den Waden herab. Die Beine abgewinkelt, die Füsse am Rand des Bettes auf den Boden gestützt, öffnete sie ihren Schoss, und halb zwischen ihren gespreizten Schenkeln kniend, halb über ihr liegend versenkte ich mein Glied in ihr warmes Geschlecht. Nur wenige, heftige Stösse dauerte es, und ich ergoss mich in sie. Hastig ordneten wir die Kleider und verliessen das Hotel.

Der Abend war finster, und es regnete, als ich Akiko im Taxi zu ihrer Wohnung begleitete, die sie mit ihrer Schwester teilte. Das Wetter entsprach ganz unserer Stimmung. Während der Fahrt sprachen wir beide kein Wort. Ich hielt ihre Hand, fühlte, dass ich im Begriff war, Akiko zu verlieren, dass wir uns nicht mehr sehen würden. Das Taxi hielt an. Sayonara, Akiko verschwand im dunklen Hauseingang.

Onna no kokoro...


1473 Worte
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